bcc Berlin Congress Center GmbH

Denkmalgerechte Erneuerung der Kuppelbeleuchtung im bcc Berlin Congress Center: rund 650 einzeln ansteuerbare LED-Leuchten mit zentraler DMX-Treiberarchitektur

Wie überführt man das gewohnte Lichtbild eines denkmalgeschützten Kuppelsaals in eine LED-Infrastruktur, ohne dass Gäste den Wechsel bemerken?

 

Projekthintergrund

Die bcc Berlin Congress Center GmbH betreibt mit dem Kongresszentrum an der Alexanderstr. 11 in 10178 Berlin einen der zentralen Veranstaltungsorte der Hauptstadt. Der Gebäudekomplex entstand zwischen 1961 und 1964 nach Entwürfen des Architekten Hermann Henselmann und bildet gemeinsam mit dem benachbarten Haus des Lehrers ein Ensemble, das heute unter Denkmalschutz steht. Auf drei Ebenen stehen neben dem Kuppelsaal, der rund 1.000 Personen fasst und das Herzstück des Hauses bildet, weitere Veranstaltungsräume für Kongresse, Tagungen und Messen zur Verfügung.

Prägend für den Kuppelsaal ist seine Lichtinstallation, die aus den als Sterne bezeichneten Deckenleuchten in der Kuppel, den umlaufenden, als Planeten bekannten Wandleuchten hinter Diffusoren und der Beleuchtung im Bühnenbereich besteht und seit Jahrzehnten zur Identität des Hauses gehört. Die zugrunde liegende Halogenanlage war jedoch sichtbar gealtert, energetisch überholt und im Betrieb zunehmend wartungsintensiv, sodass die technische Basis zu erneuern war, während die gewohnte Lichtwirkung erhalten bleiben sollte.

Der Auftrag kam über die laufende Kundenbetreuung zu PIK, den Ausschlag für die Vergabe gab das technische Konzept. PIK setzte das Projekt als Hauptauftragnehmer um, gemeinsam mit VisionTwo als Vertriebs- und Projektpartner und dem britischen Hersteller GDS.

 

Aufgabenstellung

Zum Leistungsumfang gehörten Planung, Errichtung und Inbetriebnahme der Beleuchtung im Raum C 01 des bcc Berlin Congress Center, ausgeführt als Saalbeleuchtung mit rund 650 Leuchten und zentralisierter DMX-Treibertechnologie. Die Anforderungen ergaben sich dabei aus dem denkmalgeschützten Bestand, denn die charakteristische Lichtwirkung der Kuppel sollte unverändert bleiben, während die Technik dahinter vollständig neu aufgebaut wurde. Dazu zählten das warme, weiche Dimmverhalten der Halogeninstallation samt Fade-to-Warm-Charakter ebenso wie die exakte Rekonstruktion der bestehenden Kuppelshow mit ihren Übergängen, Bewegungen, Chaser-Sequenzen und Dimmkurven, die über 650 einzeln ansteuerbare Leuchten mit unterschiedlichen Treibertechnologien ohne sichtbare Verzögerung synchron abbilden mussten.

Hinzu kamen die baulichen Rahmenbedingungen: Die Einbausituation in der Zwischendecke bietet begrenzten Platz, keine Stehhöhe und eine hohe thermische Belastung. Da der Veranstaltungsbetrieb des Hauses ohne Unterbrechung weiterlaufen sollte, standen für die Integration lediglich drei Wochen zur Verfügung.

 

Technische Umsetzung

Deckenbeleuchtung der Kuppel

In der Kuppel ersetzen 590 GDS Puppis 2K Fade-to-Warm die bisherigen Halogendeckenleuchten. Sie arbeiten mit Constant-Current-Technologie und verschieben ihre Lichtfarbe beim Herunterdimmen gezielt in eine warme Farbtemperatur, wodurch sie das Verhalten klassischer Halogenleuchtmittel nachbilden, das die Atmosphäre des Saales prägt. Eine in der Lichtfarbe konstant bleibende LED mit linearem Dimmverhalten hätte die Veränderung im Raum dagegen sofort sichtbar gemacht. Da die Kuppelchaser-Show zugleich mit schnellen Bewegungen und mit langsamen, weichen Fades arbeitet, mussten die Leuchten dynamisch reagieren und dabei kontrolliert, reproduzierbar und in Echtzeit dimmen.

Umlaufende Wandleuchten und Bestandsinfrastruktur

Die 34 umlaufenden Wandleuchten mit jeweils zwei dahinterliegenden Leuchten arbeiten mit GDS Puppis 1K in E27-Ausführung und werden über GDS IPM Multi-Channel-Control angesteuert. Während die Verkabelung innerhalb der Kuppel erneuert wurde, mussten die bestehenden Stromschienen und E27-Fassungen im Wandbereich erhalten bleiben, sodass der E27-Sockel die Weiternutzung dieser Infrastruktur ohne Eingriff in den Bestand erlaubt. Weil die Leuchten hinter Diffusoren sitzen, wurde das Abstrahlverhalten zusätzlich in Bemusterungen an die Wirkung der ursprünglichen Halogenlösung angeglichen. Es handelt sich dabei um die erste IPM Multi-Channel-Control Installation in Deutschland. Der Nutzen für das bcc lag dabei, dass mit den Bestandsleitungen eine einzelne Ansteuerbarkeit der „Planeten“ erzielt werden konnte, ohne aufwendige Kabelarbeiten ausführen zu müssen.

 

Bühnenbeleuchtung

Im Bühnenbereich kommen 13 GDS Sirius-Leuchten zum Einsatz, die über GDS IPM2 angesteuert werden. Mit diesem Protokoll lassen sich die neuen Multifarb-LED-Leuchten über die alte 2-Draht Verkabelung betreiben. Natürlich erfüllt auch diese Technologie die hohen Anforderungen einer Bühnenbeleuchtung im Punkt der feinfühligen und konstanten Ansteuerbarkeit der einzelnen Leuchtenparameter.

 

Treiberarchitektur und Steuerung

Die Treiberelektronik ist zentral im GDS DriveHub untergebracht. In klassischen LED-Installationen sitzen die Treiber häufig nahe der Leuchte, was im Kuppelsaal langfristig problematisch gewesen wäre, da die Zwischendecke schwer zugänglich, räumlich stark eingeschränkt und thermisch anspruchsvoll ist und Wartung oder Austausch elektronischer Komponenten dort dauerhaft hohen Aufwand verursacht hätten. Die DriveHub-Architektur verlagert diese wartungsintensiveren Systemkomponenten an besser erreichbare Positionen außerhalb der Kuppel und liefert zugleich automatisierte Statusmeldungen sowie eine Datengrundlage für das Energiemonitoring.

Die Ansteuerung des DriveHubs erfolgt über DMX, wobei die Anlage trotz drei unterschiedlicher Treibertechnologien in Kuppel, Wandbereich und Bühne im Betrieb als eine synchrone Lichtfläche reagiert, ohne sichtbare Verzögerungen und ohne abweichendes Dimmverhalten zwischen den Leuchtengruppen. Auf dieser Grundlage wurde die bestehende Lichtinszenierung mit allen Übergängen, Bewegungen und Chaser-Sequenzen exakt rekonstruiert.

Die besondere Herausforderung bestand darin, trotz unterschiedlicher Treibertechnologien ein vollständig synchrones Echtzeitverhalten über die gesamte Beleuchtungsfläche hinweg sicherzustellen“, erklärt Sigurd Hösl-Taube von PIK. „Gerade in der Kuppel wären Abweichungen in Reaktionszeit oder Dimmverhalten sofort sichtbar geworden.“

 

Einbausituation und Sonderlösungen

Viele Bereiche der Installation ließen sich mit Standardkomponenten nicht abbilden, da die Einbausituationen unterschiedlich ausfallen, bestehende Diffusoren zu berücksichtigen waren und die räumlichen Bedingungen in der Zwischendecke wenig Spielraum lassen. PIK entwickelte dafür individuelle Metallkonstruktionen und Halterungen und integrierte die Leuchten staub- und lichtdicht in die Zwischendecke, um Reinigungs- und Wartungsaufwand in den schwer zugänglichen Bereichen langfristig zu begrenzen.

 

Betriebssicherheit, Wartung und Energiebedarf

Neben der Saalbeleuchtung umfasst die Lösung auch sicherheitsrelevante Funktionen: Mit dem GDS BOB-E wurde ein für den europäischen Markt zertifizierter Treiber für die Sicherheitsbeleuchtung integriert, der an die bestehende Notstrominfrastruktur angebunden werden kann. Da wesentliche Systemkomponenten heute außerhalb der Kuppel an gut erreichbaren Positionen liegen und automatisierte Statusinformationen bereitstellen, vereinfachen sich Diagnose und Austausch im laufenden Betrieb. Energetisch fällt der Unterschied ebenfalls deutlich aus, denn gegenüber der bisherigen Halogenanlage mit 205 Watt je Deckenleuchte sank der Energiebedarf der Saalbeleuchtung um bis zu 80 Prozent, bei zugleich höherer Beleuchtungsstärke.

 

Projektabwicklung

PIK verantwortete als Hauptauftragnehmer Planung, Installation, Programmierung und Inbetriebnahme vor Ort. Zwischen dem 09.02.2026 und dem 26.02.2026 wurden rund 650 Leuchten integriert, damit der Betrieb des Hauses weiterlaufen konnte und keine Veranstaltung ausfiel.

Parallel zur Montage rekonstruierte PIK in Zusammenarbeit mit bcc, Vision2 und GDS die bestehende Lichtinszenierung, damit Übergänge, Bewegungen und Chaser-Sequenzen nach der Umstellung unverändert abliefen.

„Der Kunde forderte eine exakte Dimmbarkeit der Leuchten, weil die Kuppelshow nach der Erneuerung 1:1 wieder funktionieren musste. Für die Integration der rund 650 Leuchten blieben uns nur drei Wochen Zeit, denn es durfte auf keinen Fall eine Show ausfallen“, so Hösl-Taube.

Die Kuppelshow läuft nach der Erneuerung unverändert weiter, die Dimmung bleibt warm und kontrolliert, und der Energiebedarf der Saalbeleuchtung sank um bis zu 80 Prozent bei höherer Beleuchtungsstärke. Da wartungskritische Komponenten heute außerhalb der Kuppel zugänglich sind und jede Leuchte einzeln gesteuert werden kann, wirkt der Kuppelsaal für Gäste des bcc wie zuvor, während seine technische Basis vollständig erneuert ist.